Nachruf Trinidad
Nachruf: Menschenrechtsaktivist Chriton "Trinidad" Atuhwera (†12.04.2021)

Hanno Hinnrichs Gesellschaft 26.04.2021

Mit Chriton "Trinidad" Atuhwera war ursprünglich ein Interview und Porträt geplant. Aufgrund seines plötzlichen Todes entstand folgender Nachruf von unserem Autoren und Chriton "Trinidad" Atuhwera Bekannten Hanno Hinnrichs:


Nachruf: Menschenrechtsaktivist Chriton "Trinidad" Atuhwera (†12.04.2021)


Der ugandische Menschenrechtsaktivist Chriton "Trinidad" Atuhwera wurde bei einem queerfeindlichen Brandanschlag im Kakuma Refugee Camp (Kenia) ermordet - Ein Nachruf.


Chriton "Trinidad" Atuhwera, Menschenrechtsaktivist und Teil der queeren Community im Kakuma Refugee Camp (Kenia), ist am Montag, den 12. April verstorben. Vier Wochen nach dem Brandanschlag auf seine Unterkunft erlag er den schweren Verletzungen im Krankenhaus der Hauptstadt Nairobi. Sein Tod ist ein großer Verlust für seine Community in Kakuma, welche noch immer kontinuierlicher Gewalt ausgesetzt ist. Er hat an vorderster Front für ihre Evakuierung gekämpft.


Trinidad ist 2014 aus dem benachbarten Uganda geflohen. In Folge erneuter Gesetzesänderungen zur Kriminalisierung von Homosexualität hatte sich das Gesellschaftsklima für die queere Community deutlich verschärft - Massenoutings in Boulevardzeitungen, kirchliche Hasskampagnen und tödliche Selbstjustiz. Bereits drei Jahre zuvor musste Trinidad vor seiner Familie flüchten, welche von einer verheimlichten Beziehung erfahren hatte. Er musste sein Studium in Business Administration abbrechen und sich mit verschiedenen prekären Jobs über Wasser halten, bis er 2014 schließlich das Land verließ. Schlussendlich landete er im Kakuma Refugee Camp, ein Lager der Vereinten Nationen im Norden Kenias.


Die queerfeindliche Gewalt, die er all die Jahre erfahren musste, hat sich im Lager fortgeschrieben. Zusammen mit anderen Aktivist:innen versuchte er Schutz vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zu erlangen. Anstatt die geflüchteten Queers zu evakuieren, wurden sie jedoch von der kenianischen Polizei unter Einsatz von Tränengas und Pfefferspray brutal zurückgedrängt und in den Block 13 verlegt - ein strukturell unterversorgter Teil des Lagers, welcher seither als Zielscheibe queerfeindlicher Anschläge dient. Die beinahe regelmäßigen Angriffe werden von der Lagerleitung systematisch ignoriert.


So auch am 15. März. Erst zwei Tage nach dem Anschlag wurden Trinidad und Jordan, die beiden Opfer des Anschlages, vom UNHCR ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Da das UNHCR Unterstützer:innen den Zutritt verweigerte und eine angemessene Hilfe ausblieb, hat sich sein Zustand hier rapide verschlechtert. Einige Tage später und erst nach internationalem Druck wurden sie schließlich ins Krankenhaus in Nairobi verlegt - doch Trinidad war bereits zu geschwächt. Sein Tod hätte verhindert werden können. Die Vereinten Nationen haben sich mitschuldig gemacht. Sie haben die jahrelange Gewalt ignoriert und Trinidad sterben lassen. Er ist nicht das erste, doch er muss das letzte Todesopfer bleiben. Jordan muss sofort in ein sicheres Drittland verlegt werden, um angemessene Behandlung zu erfahren.


Trinidad hat wie kaum ein anderer für die Befreiung queerer Menschen gekämpft. Zusammen mit anderen Aktivist:innen konnte er ein globales Netzwerk an Unterstützer:innen aufbauen, die sich nun weiter für die Evakuierung von Block 13 einsetzen. Queers auf der ganzen Welt trauern um seinen Tod. Trinidad war nicht nur Aktivist. Er spielte Volleyball und liebte die Musik von Miriam Makeba. Um den alltäglichen Schmerz zu verarbeiten, hat er Gedichte geschrieben. Trinidad wird noch lange in Erinnerung bleiben.


"I was born gay [...] and guess what - I'm proud of it. If, whatever the case, it needs sacrificing my life - so it would be, because this is what I am and what I am proud of! No one can change what I am!"


"Ich wurde schwul geboren [...] und weißt du was? Ich bin stolz darauf. Wenn es nötig ist, mein Leben zu opfern - dann ist es so, denn das ist es, was ich bin und worauf ich stolz bin! Niemand kann ändern, was ich bin!"
(Trinidad in einem Interview mit dem Autor, 03.01.2021)