Junx stellt sich vor... Däni
Däni ist Supportleiter auf Junx. In einem anderen Leben hat er bereits als Supporter auf einer Website für queere Jungs gearbeitet. Im Interview erzählt er unter anderem, wie er zu Junx gekommen ist und verrät, welche Rolle Religion in seinem Leben spielt:

Leonard Damhorst Interviews 29.01.2021

Däni, wie bist du zu Junx gekommen?
Ich habe von Junx über einen Freund mitbekommen, bin dann über Instagram noch weiter darauf aufmerksam geworden und habe mich dann etwas mit der Plattform auseinandergesetzt. Ich fand die Grundidee einfach aufregend, weil es einfach etwas neues, eine ganz andere Idee war. Trotzdem aber für dieselbe Zielgruppe war, für die ich mich auch schon vorher engagiert hatte.

Dann habe ich irgendwann mal gesagt, dass ich mich auf dieser Plattform engagieren möchte. Ich hab aber eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass das klappen könnte. Aber tatsächlich ist Junx auf mich zugekommen und hat mir angeboten im Team mitzuarbeiten. Und obwohl ich noch nichts gemacht hatte, habe ich direkt ein Junx-Shirt und eine handgeschriebene Karte von Tommy, dem Geschäftsführer, zugeschickt bekommen. Ich fand das einfach so toll - obwohl ich noch nichts gemacht hatte, hab ich einfach so viel Dankbarkeit bekommen, nur weil ich dieses Projekt unterstütze.

Aufgrund meiner Support-Erfahrung wurde ich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die Supportsysteme zu planen und ich hab nur gedacht: „Geil, das war immer das, was ich wollte.” Also die Konzepte auszuarbeiten, Tools zu planen und anzuordnen. Und tatsächlich haben die Entwickler alles so umgesetzt, wie ich es vorgeschlagen hatte. Und das hat mich einfach unfassbar glücklich gemacht.

Warum denkst du ist Junx wichtig und was ist für dich die Botschaft von Junx?
Für mich ist die Botschaft von Junx queeren Jugendlichen einen sicheren Ort zu bieten, der sie aber nicht einschränkt. Freie Entfaltung ist in unserem Leben einfach unfassbar wichtig. Trotzdem wird diese Freiheit an vielen Stellen eingeschränkt. Bei Junx sagen wir ganz klar: Wir haben Verhaltensregeln, die wir auch durchsetzen, aber wir wollen unsere User nicht stark einschränken. Aus diesem Grund haben wir auch einen multifunktionalen Messenger, auf den wir gar keinen Zugriff haben und was ihr euch da schickt, das gehört zu euch, zu eurer freien Entfaltung. Das finde ich sehr wichtig und auch irgendwie cool.

Wie sieht dein Leben außerhalb von Junx aus?
Ich arbeite seit acht Jahren im Rettungsdienst als Notfallsanitäter und auch seit letztem Jahr als Praxisanleiter, also als Ausbilder. Langfristig strebe ich allerdings ein Medizinstudium an. Ansonsten bin ich ein sehr sportbegeisterter Mensch, obwohl Corona mir da aktuell natürlich viel erschwert.

Du hast dich in der Vergangenheit oft für religiöse Akzeptanz in der queeren Community eingesetzt, wie kam es dazu?
Ich selbst komme aus einem religiösen Umfeld, das ich selbst als konservativer einstufen würde. Ich war Jahrelang in einer Freikirche aktiv und habe da sehr viel in der Jugendarbeit gemacht und mich 2009 bewusst taufen lassen. Insgesamt drehte sich mein gesamtes Leben sehr um Gott und Glauben. Bis ich dann irgendwann erkennen musste, dass ich eben doch schwul bin und Männer liebe, was ich jahrelang unterdrückt habe.

Das wurde in der Gemeinde eben als Sünde angesehen. Ich habe aber immer sehr damit gekämpft und mich dann irgendwann doch entschlossen mich zu outen. Das war ein recht schwerer Weg, vor allem, weil ich in der Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, als Mitglied gestrichen wurde. Ich wurde nicht ignoriert oder missfällig angeguckt und es wurde auch gesagt, dass es in Ordnung ist, dass ich so fühle, aber sie können es eben nicht für gut heißen, wenn ich diesen „Begierden” nachgehe. Ich hatte dann eine Woche mich zu entscheiden, ob ich meine „Begierden” unterdrücke oder nicht. Ich habe mich dafür entschieden, dass wenn ich einen Partner liebe, ich zu diesen stehen will, komme was wolle, dann wurde ich gestrichen. Mir war recht schnell klar, dass es nicht um irgendwelche Triebe oder Begierden geht, sondern um Liebe. Und in meinem Gottesbild hat ein Gott der Liebe kein Problem mit der Liebe.

Und dann war es für mich einfach klar, dass ich mich in der queeren Community dafür einsetze, dass anderen queeren Jungs in der Community ein Zufluchtsort geboten wird und Ansprechpartner geboten werden, die genau das selbe durchgemacht haben. Ich glaube, es gibt noch sehr viele Jugendliche, aber auch Erwachsene, die ihre Gefühle unterdrücken müssen, weil sie Angst vor Ablehnung haben oder denken, dass sie in die Hölle kommen… Nein - davon bin ich nicht überzeugt. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass ein Gott der Liebe für Akzeptanz, Toleranz, Verständnis und Nächstenliebe steht. Und sollten diese Eigenschaften nicht auch einen Christen ausmachen?

Hast du ein queeres Vorbild?
Nicht wirklich, ich probiere immer selbst ein Vorbild zu sein und kann auch jedem nur empfehlen selbst zu probieren ein Vorbild für andere Menschen zu sein. Ich denke, dass jeder hierfür unterschiedliche Mittel, Möglichkeiten und Stärken besitzt, die er einsetzen kann. Sei es im Alltag, auf Junx oder ehrenamtlich in Jugendzentren. Da gibt es ganz viele Möglichkeiten und gemeinsam können wir noch viel erreichen. Davon bin ich überzeugt!

Ein Beitrag vom
Queer Content Network e.V.