Junx stellt sich vor: Marco
Der stellvertretende Supportleiter beantwortet unsere Fragen

Tom J. Junx stellt sich vor 06.08.2021
Marco, wie bist du zu Junx gekommen?

Es war bei mir ähnlich wie bei Däni. Ich war bei einer anderen Plattform als Supporter tätig. Nach meinem Ausstieg kam Jannik auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte, ihn bei Junx unterstützen zu wollen.


Das tolle an Junx ist, dass die Entwickler das umgesetzt haben und werden, was wir uns für die Support-Tätigkeit wünschen. Zusammen mit Däni haben wir die Support-Tools entwickelt. Den größten Teil hat jedoch Däni erarbeitet; das Lob gebührt deshalb ihm. Zusammen haben wir immer wieder drüber geschaut und die Konzepte verfeinert.

Es macht mich einfach glücklich, bei Junx dabei zu sein und etwas komplett Neues aufzubauen. Das spornt mich an und motiviert das gesamte Team!

 

Warum denkst du ist Junx wichtig und was ist für dich die Botschaft von Junx?

Eine Plattform wie Junx ist sehr wichtig, sodass Jugendliche die Möglichkeit haben, sich auszutauschen, wenn sie sich beispielsweise nicht trauen, sich bei Ihren Eltern, in der Schule oder bei ihren Freund:innen zu outen. Bei Junx können sie auf Gleichgesinnte treffen, sich mit ihnen im Chat austauschen oder sich persönlich treffen. So können beispielsweise Erfahrung zum Outing, aber auch zum ersten Date oder zur ersten Liebe ausgetauscht werden.


Wie sieht dein Leben außerhalb von Junx aus?

Ich studiere Mathematik und Chemie auf Lehramt an „Realschulen plus” in Rheinland Pfalz, momentan bin ich im Master. Ansonsten bin ich gerne draußen unterwegs, oft mit dem Rad und meiner Kamera, zumindest wenn das Wetter gut ist. Häufig helfe ich auch meinen Eltern in den Weinbergen.


Wie wichtig ist die Sichtbarkeit von queeren Menschen in der Schule bzw. bei den Lehrer:innen?

Das ist schon wichtig! Es gibt eine viel größere Vertrauensbasis zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen durch diese Gemeinsamkeit. Es fällt den Schüler:innen dann deutlich leichter über queere Themen zu sprechen, wenn da jemand ist, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, zu dem man sagen kann „Hey ich bin auch schwul / lesbisch / queer”.


Es gibt Lehrer:innen, die sich vollständig outen in der Schule und es gibt welche, die es nicht tun. Ich habe beispielsweise einen Lehrer kennengelernt, der sich nicht direkt laut geoutet hat, aber wenn man ihn darauf anspricht, sagt er es offen und ehrlich heraus. Er kommt auch sehr gut bei seinen Schüler:innen an.

Ansonsten gibt es Vertrauenslehrer:innen an den Schulen, zumindest an den Schulen, die ich bisher kennengelernt habe. Und ich glaube an die kann man sich auch gut wenden, wenn man Schwierigkeiten oder Fragen hat.


Lehrer:innen sind nun einmal Vorbilder und prägen die Schüler:innen - ähnlich wie es ihre Eltern tun. Sie prägen deren Ansicht und wenn sie selber etwas offener sind, können auch die Schüler:innen hierdurch etwas offener werden.

Wenn man es provokant sagen darf: Wenn ein:e Lehrer:in ein eingeschränktes Weltbild hat, dann gibt diese:r es auch an die Kinder weiter, weil man ein Vorbild ist, so als erwachsene Person da vorne.


Hattest du irgendwelche negativen Erfahrung aufgrund deines Schwul-seins in deiner Schulzeit oder jetzt im Studium?

Schlechte Erfahrungen habe ich eigentlich nie gemacht. Ehrlich gesagt hatte ich aber vor meinem Outing Angst, die meisten Reaktionen waren aber doch sehr positiv. „Warum verheimlichst du denn das?” oder „Warum hast du das denn nicht früher gesagt?”. Bisher hat sich niemand negativ darüber geäußert. Ich habe es aber auch nie an die große Glocke gehängt. Die Leute, mit denen ich am meisten Kontakt habe, die wissen es eben.


Was können Lehrer:innen tun, um queeren Schüler:innen die Schulzeit angenehmer zu machen?

Leider hängt das immer von der Einstellung der Lehrkraft ab. Wenn diese selber nicht offen für das Thema ist, wird sich nichts ändern.

Es kann schon viel durch eine leichte Veränderung des Unterrichtsinhaltes erreicht werden. Dieser kann offener gestaltet werden und auch über die Vielfältigkeit der Sexualität, Liebe und Familien informieren. Es kann beispielsweise in einer Textaufgabe im Mathematikunterricht von einem schwulen Pärchen die Rede sein.


Es gibt verschiedene außerschulische Institutionen, die Lehrkräfte dabei unterstützen. Wir hatten beispielsweise in der neunten Klasse eine Beratung von Pro Familia. Da ging es um Sexualität und Aufklärung. Diese Beratung haben wir damals im Rahmen unseres Biologieunterrichts gemacht. Da kamen viele Fragen über Homosexualität bei meinen Mitschüler:innen auf, die sehr ausführlich von der Dozentin beantwortet wurden. Es haben alle meine Mitschüler:innen aufmerksam zugehört. Das fand ich damals sehr faszinierend.

Außerdem gibt es noch SCHLAU RLP von der Aids Hilfe. Diese besuchen ebenfalls Schulklassen und machen eine spielerische Aufklärung mit den Schüler:innen. Ebenso erzählen die Teamer:innen von ihrem Outing. Auch ihre negativen Erfahrungen wurden da nicht beschönigt dargestellt.

In der Oberstufe hatten wir einen sehr offenen, evangelischen Religionslehrer. Mit ihm haben wir ebenfalls sehr offen über Homosexualität gesprochen. Allerdings war das erst in der zwölften Klasse.

Ich finde es einfach generell wichtig, dass die Lehrer:innen offen sind und das Homosexualität und Queer-sein im Biologieunterricht, in einem Seminar oder einer Projektwoche thematisiert werden.


Hast du ein queeres Vorbild?

Nein, ich habe generell keine bestimmten Vorbilder. Ich folge auch nicht bestimmten Influencer:innen auf Instagram. Ich lebe mein Leben so, dass ich anderen ein gutes Vorbild sein könnte. Am Besten hat man viele Eindrücke von verschiedenen Personen und nimmt sich dann von diesen das Beste heraus, also die Schnittmenge, um es mal mathematisch auszudrücken. (lacht)

Ein Beitrag vom
Queer Content Network e.V.